Im Interview mit Jan N‘ June

Jan N‘ June steht für mich für Minimalismus und weckt meine Aufmerksamkeit durch das skandinavische Design. So richtig entdeckt habe ich das Label bei dem Slow Fashion Pop Up Event vom Kunstkinder Magazin in Wilhelmsburg. Nachdem ich mir online bereits einen Überblick verschafft hatte, gab es dort das Label zum Anfassen. Die Gründerinnen Anna Bronowski und Juliana Holtzheimer machen Mode, die in sich stimmig ist und man bekommt das Gefühl, mit der aktuellen Herbst/Winter Kollektion sei man perfekt ausgerüstet für die kommende Jahreszeit. Die Kleidungsstücke sind stets untereinander kombinierbar, clean und trotzdem durch den Schnitt nicht gewöhnlich. Das Beste daran, Jan N‘ June könnt ihr ohne schlechtes Gewissen kaufen. Das nachhaltige Hamburger Label setzt nicht nur auf faire Arbeitsbedindungen, sondern auch auf grüne Materialien.

Verschafft euch an diesem Wochenende einen genauen Überblick. Jan N‘ June veranstalten zusammen mit Nine to Five ihren ersten Eco Fashion Pop up Shop. Weitere Details zum Event findet ihr hier

Jan n' June

Wann habt ihr Jan N‘ June gegründet?

Anna: Wir haben Jan N‘ June letztes Jahr im August offiziell rechtlich gegründet. Die Idee besteht natürlich schon sehr viel länger, aber ab April/Mai letzten Jahres haben wir die Idee, angefangen, vertieft und ausgebaut. Außerdem haben wir Überlegungen getroffen mit welchen Partnern würde man zusammenarbeiten in Punkto Produktion, Stoffen usw.

Im September haben wir dann für vier Wochen die Crowdfunding-Kampagne auf Nordstarter gestartet und zwar ging es da um die Finanzierung der Produktion von unserer ersten Kollektion.

JannJune_TeamJula und Anna

Und was ist eure Idee dahinter, was möchtet ihr mit Jan N‘ June vermitteln?

Juliana: Es gibt so drei Sachen auf die wir uns immer stützen:

Nachhaltige und faire Mode von der Produktion und der ganzen Lieferkette.

Jan N‘ June soll modisch sein und Trends mit aufnehmen. Modisch auch in dem Sinne, dass es den Kleiderschrank auch mit abdeckt und es nicht nur Basics sind, sondern du auch mal in einem Kleid feiern gehen kannst.

Der dritte Punkt ist Bezahlbarkeit. Für uns war es so, dass es zwar nachhaltige Mode gab, aber die nicht so modisch war oder sehr Basic- bzw. Streetwear-lastig war. Und wenn es diesen Modepart hatte und nachhaltig war, dann war es super teuer. Es gab halt nichts für uns hier in Deutschland, was alles miteinander verbunden hat. So kam es dann eben, dass wir gesagt haben, wenn es das nicht gibt, machen wir es eben selbst. Das ist natürlich leichter gesagt, als getan, aber so haben wir angefangen.

Woher kommt der Name Jan N‘ June eigentlich?

Jula: Von January und June – unsere Geburtsmonate.

Ihr produziert eure Kollektion nur in Polen und betont, wie wichtig euch nachhaltige und faire Mode ist. Welchen Herausforderungen steht ihr dabei gegenüber?

Jula: Was eine Hauptherausforderung für uns nach wie vor ist, sind Mindestmengen bei der Stoffbeschaffung. Wir haben einen gewissen Anspruch an den Stoff, wenn es Bio-Baumwolle ist, muss sie zertifiziert sein und bestimmte Zertifikate haben, die wir uns halt wünschen. Wenn sie diese nicht hat, dann nehmen sie auch nicht. Das engt es natürlich ungemein ein, weil du dann auch keine Riesenmengen abnehmen kannst. Wenn wir von einer Farbe 150m von einem Stoff abnehmen, dann ist das schon gut und manchmal brauchst du 500m, 1000m oder 2000m, die du abnehmen musst, von einem Stoff bei den großen Lieferanten. Das heißt du bist immer total eingeschränkt, indem was du machen möchtest und dadurch das wir noch nicht so groß sind. Das sind so Herausforderungen, vor denen du am Anfang stehst und man findet so seinen Weg drum herum zu arbeiten. Wir müssen vorher immer schauen, was haben wir für Stoffe und daraufhin basierend designen wir dann und nicht umgekehrt.

Jan n' June

Aus welchen Ländern bezieht ihr die Stoffe?

Anna: Größtenteils aus der Türkei, teilweise Indien und Italien. Das läuft häufig über Agenturen, sodass wir gar nicht direkt in Kontakt mit den Produzenten sind, sondern da sind Agenturen dazwischen geschaltet, die häufig erst ermöglichen, das man kleinere Mengen abnehmen kann und trotzdem gewährleisten, dass es fair und sauber ist. Vom Rohstoff her halten wir uns da an Zertifikate.

Das ist ein bisschen schwierig, da so durchzublicken gerade, wenn man nur Endverbraucher ist und im Grunde nur einkaufen gehen möchte. Das ist ein bisschen viel Aufwand sich da reinzufuchsen, aber im Endeffekt gibt es auch noch nicht so richtig optimale Zertifikate, die alles abdecken. Es gibt nicht das Eine, wo man sagen kann, das ist perfekt und deckt alles ab. Es gibt schon eins, das ziemlich gut ist. Das ist das GOTS (=Global Organic Textile Standard), was für Naturfasern gilt, weil es eben sowohl den Bio Baumwollanbau zertifiziert, als auch die sozialen und fairen Bedingungen in den Produktionsstätten abdeckt. Das deckt beide Seiten ab: die Rohstoffseite und die soziale Seite. Das Problem bei so einem Siegel ist, dass es andere Faserarten nicht abdeckt, das heißt Lyocell, recycelte Materialien oder auf Rohölbasis. Das deckt es eben nicht ab, weil es nur auf Naturfasern konzentriert ist.

Habt ihr nur einen Produzenten in Polen? Nach welchen Kriterien habt ihr eure Produzenten in Polen ausgewählt?

Jula: Ja, das ist ein Familienunternehmen in Polen, die generell nur für sich selber nähen. Sie haben ein Sportswear Label. Das Ehepaar, was es quasi leitet ist total sportbegeistert. Wir haben über tausend Ecken die Familie mal empfohlen bekommen und haben dann mit denen gesprochen, verhandelt, sodass sie jetzt auch für uns produzieren.

Das Unternehmen liegt im Herzen von Breslau, Polen war ja früher ein Textilstandort für die Produktion, hat jedoch total nachgelassen, da es zu teuer für die meisten ist. Für uns ist es aber wichtig, dass die fair bezahlt werden und es gibt allein schon Regelungen dadurch, dass sie in der EU sind. Die Schneiderinnen haben alle richtig Ahnung und arbeiten teilweise seit über 20 Jahren.

Jan n' June

Kleid III

Mode steht durch immer neu aufkommende Trends, ständig unter dem Zwang sich zu verändern, zum Beispiel wurden im Sommer Off-Shoulder-Blusen sehr gehyped. Wie würdet ihr den Stil von Jan N‘ June beschreiben und bleibt ihr dem in Zukunft treu?

Jula: Es muss zu uns passen. Jan N‘ June ist minimalistisch, clean und ein bisschen nordisch angehaucht und da passt nicht alles zu. Gerade die trendigen Off-Shoulder Blusen, wenn man die umsetzt, muss man die schon stark abwandeln, sodass sie in unseren Stil passen. Das hat schon etwas sehr Verspieltes, Spanisches. Es gibt einzelne Trends die greifen wir mit auf. Das ist uns auch wichtig, weil sonst wir ja auch nur wieder ein Basic Label wären. Jedoch machen wir nicht jeden Trend mit, dass muss schon zu uns passen.

Wir versuchen es zum Beispiel auch mit der weiteren Hose und glauben daran, dass Hosen weiter werden, aber das ist nach wie vor schwierig.

Wenn du viel mit Mode zu tun hast, bewegst du dich in einer Blase, die sich auch gerne mit Mode auseinandersetzt, aber das ist nicht der Maßstab zu all deinen Kunden. Manche sind eben vorsichtiger und zurückhaltender, was das angeht. Das dürfen wir nicht vergessen, dass unser Umfeld nicht das Maß der Dinge ist.

Wie lasst ihr euch für eure Arbeiten inspirieren?

Anna: Also die eine Quelle gibt es nicht. Für uns gibt es überall Quellen, wir schauen auf der Straße, in den Magazinen, in Zeitschriften, Online, auf Blogs usw. Wenn wir können, hören wir uns gerne Trendvorträge an, was nicht immer so einfach ist, da reinzukommen. Wir waren jetzt im September auf einer Stoffmesse in München und dort gab es verschiedene Trendvorträge, die man sich anhören kann. Ich würde sagen, es ist eher eine Art Mischung aus allem, was einem so über den Weg läuft.

Jan n' June

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag von euch aus (wenn es den überhaupt schon gibt)?

Jula: Ja und Nein. Wir haben ganz großes Glück. Annas Eltern sind ausgewandert nach Dubai. Das Haus ihrer Eltern gibt es aber noch und Anna wohnt dort auch. Wir haben jetzt so ein bisschen das Wohnzimmer beschlagnahmt und breiten uns da auch immer weiter aus. Wir haben dort ein Lager, einen großen Tisch, die Muster. Es hat büroähnliche Züge angenommen.

Anna: Nein, es ist schon auf jeden Fall unser Büro. Wir haben dort unsere Unterlagen, Akten, Postanschrift, alles was an uns geht, geht auch dahin.

Jula: So viel Glück muss man erstmal haben. So ausgestattet mit einer Topküche und Kaffeemaschine. Wenn wir beide in Hamburg sind, dann sehen wir uns da auch jeden Tag. Das ist schon so unsere Base. Das erste was wir meist erst machen sind E-Mails, morgens erstmal alles wegarbeiten, dann Ordern packen bis 13 Uhr, sonst geht es an dem Tag nicht mehr raus. Sonst stehen immer unterschiedliche Dinge an.

Anna: Die Aufgaben sind schon ein Stück weit aufgeteilt, weil es auch Sinn macht, weil man sonst Arbeiten doppelt macht.

Jula: Anna kümmert sich zum Beispiel um die Finanzen, Beschaffung und macht uns richtig geile Excel-Pläne und baut eine richtige Struktur rein, weil du ja wirklich für alles ein Formular benötigst.

Was sind eure Must-Haves für die kommende Jahreszeit?

  • Oberteile mit Stehkragen oder Turtleneck wie z.B. unser Oberteil Quinn
  • Ein Kleidungsstück zum Überwerfen, wie einen Mantel oder eine Strickjacke, die zu allem passt z.B. Jake Grey

Fotos:

Fotografin: Johanna Güttner
Model: Alina Muschalik
H&M: Evelyn Innenhofer

Vielen Dank für das schöne Gespräch, Mädels!

Hier findet ihr Jan N‘ June: Facebook | Instagram | Webshop

Advertisements